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Zwischen Eile und Verweilen

vor 10 Stunden
2 Min. Lesezeit

Heute Morgen, als ich an der Bushaltestelle auf den Bus gewartet habe, ist mir aufgefallen, wie unterschiedlich Menschen gehen. Manche eilen mit schnellen Schritten vorbei, andere schlendern ganz entspannt. Ich habe mich gefragt, was dieses unterschiedliche Gehtempo wohl über unser Lebenstempo erzählt.


Ich selbst gehe meistens eher langsam. Nur wenn ich wirklich in Eile bin, weil ich zum Beispiel noch einen

Bus oder Zug erwischen möchte und sonst lange warten müsste, werde ich deutlich schneller.


Auch auf Reisen ist mir das immer wieder aufgefallen. In vielen Ländern, in denen ich unterwegs war, scheinen die Menschen insgesamt langsamer und gelassener zu sein. Heute würde man vielleicht von Slow Living sprechen – einem Leben mit einem ruhigeren Rhythmus.


Mich beschäftigt das gerade auch deshalb, weil mein eigenes Leben in den letzten Wochen für meine Verhältnisse sehr schnell geworden ist. Umso mehr spüre ich den Wunsch, wieder etwas Tempo herauszunehmen und bewusster durch den Tag zu gehen.


Nachdem mir diese Gedanken gekommen waren, habe ich nach einem Artikel zu dem Thema geschaut. Darin wurde beschrieben, dass Fußgänger in New York heute im Durchschnitt etwa 15 Prozent schneller gehen als noch in den 1980er-Jahren. Das hat mich nicht überrascht. Ich vermute, dass sich diese Entwicklung nicht nur in New York beobachten lässt, sondern wahrscheinlich auch in unseren Großstädten und vielleicht sogar in kleineren Orten. Das ist natürlich nur meine persönliche Vermutung.


Interessant fand ich auch einen weiteren Aspekt des Artikels: Die Menschen gehen nicht nur schneller, sie verweilen offenbar auch seltener. Plätze, Parks und öffentliche Räume werden häufiger zu Orten des Durchgangs als zu Orten des Aufenthalts. Das passt für mich zu dem Eindruck, dass vieles heute stärker darauf ausgerichtet ist, möglichst effizient von A nach B zu kommen. Der Weg dient oft nur noch dazu, ein Ziel zu erreichen, anstatt selbst Teil des Erlebens zu sein.

Dabei gehen manchmal genau die Dinge verloren, die unser Leben so reich machen: innehalten, wahrnehmen, verweilen und anderen Menschen wirklich begegnen.


Gleichzeitig glaube ich, dass das Gehtempo allein noch gar nicht so viel aussagt. Ein langsamer Gang kann Ausdruck von Erschöpfung, Traurigkeit oder Niedergeschlagenheit sein. Er kann aber genauso gut bedeuten, dass jemand entspannt ist, genießt, wahrnimmt und ganz bei sich ist.


Und auch schnelles Gehen ist nicht gleich schnelles Gehen. Es gibt das gehetzte, angespannte Vorwärtsdrängen. Und es gibt dieses beschwingte, lebendige Gehen, wenn man voller Freude dem Leben entgegengeht. Von außen mögen beide Menschen ähnlich schnell unterwegs sein, innerlich können sie in völlig unterschiedlichen Welten sein.


Aus der Körperarbeit wissen wir außerdem, dass ein bewusst langsameres Bewegungs- und Lebenstempo unser Nervensystem beruhigen kann. Schnelligkeit signalisiert unserem Körper oft: Achtung, hier ist etwas dringend. Langsamkeit hingegen kann Sicherheit vermitteln und uns wieder mehr in Kontakt mit uns selbst bringen.


Vielleicht lohnt es sich deshalb, nicht nur darauf zu achten, wie schnell wir gehen, sondern wie wir gehen.

Welche innere Haltung trägt unsere Schritte? Und entspricht unser äußeres Tempo eigentlich noch unserem eigenen Rhythmus?


(Beitragsbild mit KI erstellt)


 
 
 

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