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Die Übung des Empfangens

vor 8 Stunden
1 Min. Lesezeit

Heute hat mich an der Bushaltestelle eine Frau angesprochen. Sie fragte, wo sie einen Ticketautomaten finden könne.


Ich erklärte ihr, dass diese inzwischen weitgehend abgeschafft wurden und sie das Ticket auch beim Busfahrer kaufen könne.


„Kann ich dort mit Karte bezahlen?“, fragte sie.


„Ich glaube, nur bar.“


„Oje“, sagte sie, „ich habe gar kein Bargeld dabei.“


„Kein Problem“, antwortete ich. „Ich lade Sie heute auf ein Tagesticket ein.“

Kaum hatte ich meinen Geldbeutel gezückt, schaute sie mich ganz erschrocken an.


„Nein, nein, das kann ich nicht annehmen.“


Ich sagte ihr, dass das für mich völlig in Ordnung sei und ich das gerne mache. So könnten wir uns das Leben gegenseitig leichter machen.


Doch sie blieb dabei. „Nein, das kann ich nicht.“


Ich respektierte das natürlich, wünschte ihr alles Gute und verabschiedete mich. Zum Glück stellte sich heraus, dass man inzwischen beim Busfahrer auch mit Karte bezahlen kann.


Auf meinem weiteren Weg blieb mir die Begegnung noch eine Weile im Herzen.

Wie schwer fällt es uns manchmal, Hilfe anzunehmen, besonders von einem Menschen, den wir als „fremd“ bezeichnen. Dabei gehören Geben und Empfangen untrennbar zusammen. Wer nur gibt und nie empfängt, unterbricht diesen Kreislauf.


Vielleicht würde uns das Annehmen leichter fallen, wenn wir einander weniger als Fremde und mehr als Schwestern und Brüder begegneten.


Denn auch das Empfangen will geübt werden. Es ist eine stille Praxis des Vertrauens und manchmal sogar ein Geschenk an den Menschen, der geben möchte.


(Beitragsbild mit KI erstellt)


 
 
 

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